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Mosaikartige Bildlandschaften


Zur Ausstellung Peter Valentiner im Kapitelsaal


Press - Mosaikartige - 09-1989
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Bad Hersfeld. Überwiegend stellt er seine knapp dreißig hoch-, quer-und grußformutigen Arbeiten ohne Bezeichung vor, manche wiederum unter so illustren Titeln wie „Blue Night Shadows“, „Paloma“ oder „Dolce Vita“. Die Rede ist von Peter Valentiner, einem umtriebigen französischen Künstler, der als Vertreter der europäischen Kunstszene auf der „Achse“ New York - Paris - Berlin zu Hause ist, wohnhaft jedoch seit zehn Jahren in Köln.


In Fortsetzung der diesjährigen Präsentationen von abstrakter Malerei und Graphik im Bad Hersfelder Kapitelsaal, wurde am Sonntag morgen eine Ausstellung seiner Arbeiten aus den Jahren 1984 bis 1989 durch Bürgermeister Hartmut H. Boehmer eröffnet. Es sei „die Aufgabe des Museums, Dinge zu zeigen, die etwas der Kaufhauskulturtechnik zuwiderlaufen“, versicherte der Bürgermeister und wies somit die vorangegangenen Vorwürfe der Einseitigkeit in der Auswahl der Ausstellungsangebote im Kapitelsaal zurück.


In einer Einführung in das Werk Peter Valentiners zeichnete Frau Dr. Barbara Dahlheimer, Kunsthistorikerin im „Gropius-Museum“ in Berlin, anhand seiner biographischen Daten zugleich seinen künstlerischen Werdegang auf. Geboren 1941 in Kopenhagen, studierte Valentiner nach der Übersiedlung der Familie nach Nordfrankreich (1940) von 1960-1963 an der „Ecole des Beaux Arts“ in Tours, wo er sich neben seiner künstlerischen Arbeit und Ausbildung vorzugsweise organisatorischen Aktivitäten wie den Vorbereitungen von Ausstellungen widmete, um auf diese Weise mithelfen zu können, den Kontakt der Öffentlichkeit mit der Gegenwartskunst zu intensivieren. Jackson Pollock, Nicolas de Staël und Hans Hartung begeistern und beschäftigen ihn, aber im mer wieder auch die Bilder und Zeichnungen Vincent van Goghs.


Die Begegnung mit dem argentinischen Maler Alberto Greco in Madrid (1963) markiert zugleich die Wende zur sein späteres Werk bestimmenden Auseinandersetzung mit der abstrakten Malerei. Insbesondere die amerikanische Technik der Schablonenmalerei („hard cdgc“) faszinieren ihn, da seine abstrakten Figurationen klare, abgesetzte Umrißformen zeigen.


Als Preisträger einer 7. Biennale in Paris erhielt er 1971 das Stipendium der „Musée Rodin“ und betätigt sich in den Folgejahren als Begrunder oder Mitglied mannigfacher die Szene mitprägender künstlerischer „Salons“ und Vereinigungen. Seit 1979 ist Peter Valentiner Dozent an der Akademie für Malerei und freie Gestaltung in Trier, wo er in Zusammenarbeit mit Prof. Kraemer 1984 die Ausstellung „Spuren und Zeichen“ -Europäische Malerei der Gegenwart aufbaute. Zahlreiche eigene Ausstellungen im ln- und Ausland machten seine Arbeiten bekannt.


Wie Blicke durch ein Kaleidoskop, das durch Drehen die Konstellation seiner Kristalle beliebig variieren, aber auch in einer bestimmten Kombination anhalten kann, muten die mosaikartigen Bildlandschaften seiner Exponate im Kapitelsaal an und scheinen den Betrachter aufzufordern, uber die emotionale Wahrnehmung sein Verhältnis zu Raum und Farben einmal zu überprüfen.


„Jedes Bild ist eine Darstellung, in der sich die Farbe in Licht verwandelt und die Form im Raum“, kommentiert Valentiner seine Kunst selbst und leistet dem Betrachter auch interpretierende Hilfestellung, in dem er sagt: „Durch diese Beziehung Raum-Licht, wird ein Werk geschaffen, in dem sich eine Welt ausdrückt; die des Gleichgewichts, der Spannung und der Tiefe, ohne daß man genau weiß, wodurch dieses Gefühl hervorgerufen wird, durch Farbe oder durch Form. Aus dieser Ambivalenz, die den Betrachter in einen Zustand der Verwirrung versetzt, entsteht seine Neugierde, die den Prozeß der Auseinandersetzung initiiert.


Geradezu Furore in der Kunstszene zu Beginn der siebziger Jahre machte Valentiner, als er die Praxis der „camouflage“ (Tarnung, Täuschung) für die Kunst entdeckte und mit „Leopardenstopfe“ und militärischen Tarnnetzen verschiedene Objekte einwickelte. Die formale Gestaltung dieser Netze auf die Bildfläche übertragen, zeigt demnach eine getarnte Realität oder ihre Abwesenheit Dies zu entscheiden, bleibt freilich dem Betrachter überlassen.


K. v. Baumbach

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