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Schülerausstellung in Gerolstein


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Ein junger Elephant braucht etwa ein Jahr bis er mit dem Rüssel Wasser trinken kann. Eltern können Ihrem kleinen Kind schaden, wenn sie ihm zu früh lesen beibringen wollen, und jeder von uns weiß, wie lange es dauert, bis ein Kind selbständig essen und laufen… kann.

Dies sollen einige Beispiele sein, um zu zeigen, wie empfindlich und langwierig Lernprozeße im allgemeinen sind. Und es stellt sich die Frage, ob der Mensch überhaupt lern-fähig wäre, wenn er von außen keine Anregungen bekommen würde. Darüberhinaus stellt sich die Frage, was den Menschen dazu treibt, sich mit Geistigen Dingen zu befassen.

Im Jahre 1897 malt Paul Gauguin auf der Insel Tahiti ein großformatiges Bild mit dem Titel "Woher kommen wir? Was

sind wir? Wohin gehen wir?".

Dieser Titel verkörpert eine Problematik, die sich jedem Menschen stellt, nämlich die der Bedeutung und des Sinns des Lebens. Die Suche nach einer Antwort auf diese grund-legende Frage, führt den Menschen zur Auseinandersetzung mit Fragen der Politik, Religion oder Kunst.

Wir können uns hier nicht damit beschäftigen, ob dies schon genügt, um die Wahrheit zu erkennen.

Wir sind hier, um uns mit einer Kunstausstellung zu befassen. Hierzu wollen wir uns aber zuerst klar machen, was man sich unter dem Begriff "Kunst" vorstellen kann.

"Die-Kunst ist in ihrer Ausführung und Richtung", schreibt im Jahre 1918 der Wiener Maler Raoul Haussmann in seinem dadaistischem Manifest, "von der Zeit abhängig, in der sie lebt, und die Künstler sind Kreaturen ihrer Epoche.

Die höchste Kunst wird diejenige sein, die in ihren Bewußtseinsinhalten die tausendfachen Probleme der Zeit präsentiert, der man anmerkt, daß sie sich von den Explosionen der letzten Woche werfen ließ, die ihre Glieder immer wieder unter dem Stoß des letzten Tages zusammen sucht." Ende des Zitates. In diesem Sinne habe ich meinen Unterricht entwickelt.

Es ist meine Absicht zu zeigen, wie mit dem Mittel der Malerei eine Brücke zwischen Individuum und Wirklichkeit geschaffen werden kann.

So verwenden wir beispielsweise Plakate, Artikel aus der Tageszeitung, 1''otos aus Zeitschriften, genauso wie Ereignisse aus der Bibel oder der Mythologie als Quellen der Inspiration.

Ein Artikel über ein entlaufenes Nilpferd auf der Autobahn ist für uns von gleichem Interesse, wie für El Greco „Jonas und der Walfisch“ es war, oder auch für Albrecht Altdorfer der "Erzengel Sankt Michael und der Drachen".

Jedes Bild hier im Raum entstand mit der gleichen Ernst-haftigkeit und Vorbereitung wie auch wichtige Meisterwerke entstanden sind.

Die Maler des Klassizismus setzten sich gerne mit dem Thema "Diogenes in der Tonne wird von Alexander dem Großen besucht" auseinander. Für uns ist das Treffen von Menschen vor der Trommel in einem Waschsalon von besonderem Reiz.

Mit solchen Aufgaben wird die Vorstellungskraft und die Lust kreativ zu sein, geweckt.

Es handelt sich um ein Konzept, bei der das Engagement der Seminarteilnehmer wichtiger ist, als ihr Können.

Der Unterricht besteht nicht allein in der Weiterentwicklung technischen Könnens, sondern er soll auch ein künstlerisches Bewußtsein schaffen.

Die Bilder, die Sie hier betrachten können, zeigen, welche qualitative und kreative Ebene erreicht werden kann.

Ein großer Teil der ausgestellten Werke entstand innerhalb der letzten zwei Jahre in meinen Malseminaren in meinem Kölner Atelier, in der Volkshochschule Köln, oder in der Sommerakademie Mettingen im Tecklenburger Land. In Zukunft wird die nächste Generation von Kursteilnehmern Gemälde in Gerolstein schaffen.

Ostern, oder spätestens im Sommer 1990 wird unter meiner Leitung ein Kunstzentrum eröffnet: Die Freie Akademie für Bildende Kunst Gerolstein. Dieses Projekt ist in erster Linie der Firma Gerolsteiner Sprudel - die uns die Kyll Mühle zur Verfügung stellt - zu verdanken; und ebenso allen Personen und Institutionen, die an diesem Projekt teilnehmen.


Für die Ausstellung in diesem haus möchte ich mich ganz herzlich bedanken:

bei Herrn Bürgermeister Geiser

bei Herrn Plum für die Gastfreundschaft

bei Herrn Dr. Traumann, bei Herrn Marschall und bei Frau Lux für Ihren Einsatz.

Bei Norle und Gottfried Rauschert und allen, die zum Gelingen dieser Ausstellung beigetragen haben, einen ganz besonderen herzlichen Dank.

Allen Teilnehmern und Freunde meiner Malseminare muß ich verraten: Ihr seid Super - prima!

Danke.


Peter Valentiner

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