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Abstrakte Kunst : Peter Valentiner in Galerie "Alte Mühle"


1988-03-22 Abstrakte Kunst Peter Valentiner in Galerie Alte Muhle
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Schmallenberg. (RV) Neben der Staffelei liegt eine Gitarre, über das weiße Blatt Papier wandert eine Bleistiftspitze: Sie zeichnet einen Kreis für die Klangöffnung der Gitarre und Striche und Punkte für die Saiten. Damit ist das Bildgerüst fertig, der Maler legt die Gitarre beiseite und beginnt mit der eigentlichen Arbeit: Auf seiner Palette mischt er immer neue Farben und fügt sie flächenhaft, in einer „rhythmischen“ Ordnung in das Gerüst ein. Alles Greifbare und Gegenständliche ist ausgemerzt, der Künstler hat von der Gitarre nur Wesentliche verwendet; er hat sie abstrahiert, ein abstraktes Kunstwerk ist entstanden.


So oder ähnlich könnte ein skizzenhaftes Kochrezept für abstrakte Malerei aussehen. Der Schmallenberger Kunstverein (KV) zeigt zur Zeit in der Galerie Alte Mühle 18 Werke, die der französische Künstler Peter Valentiner auf dieser Grundlage geschaffen hat. Gegen den Begriff „Kochrezept“ würde er sich allerdings heftig wehren: Abstrakte Kunst wie moderne Kunst überhaupt löst sich vielmehr von Rezepten und Bindungen, die den Menschen in seiner Freiheit und Individualität einengen. Für Valentiner ist abstrakte Malerei ein Spiel mit Farbe und graphischen Formen, mit optischen und räumlichen Wirkungen.


Deutlich wird das z. B. an einer drei Meter langen und ebenso hohen Collage im obersten Stockwerk der Galerie: Auf den ersten Blick ein buntes Wirrwarr von farbigen Flächen und abgerissenen, vergrößerten Zeitungsschnipsel. Erst bei näherem Hinsehen wird eine straffe Ordnung deutlich: Leuchtende Farbflächen sind von dunklen, reinen Farben durchsetzt, wodurch ein farblich ausgeglichenes Bild entsteht und gleichzeitig großtuerische Buntheit vermieden wird. Alle Farben des Regenbogens tauchen in der Komposition auf, die an ein Kaleidoskop erinnert: Sie werden so zu Symbolen des Lichtes.


Das gleiche gilt für die Formgebung: Eckige und runde Formen werden an jeder Stelle in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht. Beispielhaft ist dabei, wie er in dieser flächigen Komposition mit Hilfe des Zeitungsfetzen räumliche Vorstellungen hervorgebracht hat. Valentiner ,,Zunächst habe ich die Zeitungsschnipsel so aufgefaltet, daß sie Schatten werfen. Mit diesen Schatteneffekten habe ich sie dann fotografiert und die-Fotos in das Werk eingebaut“.


Als „einen ausgewiesenen Vertreter der europäischen Avantgarde“ bezeichnete Manfred Richter bei der Eröffnung der Ausstellung den 1941 in Kopenhagen geborenen Künstler: 1971 war er Preisträger der 7. Pariser Biennale, seine Bedeutung unterstreichen zahlreiche Ausstellungen u. a. in Düsseldorf, Köln, Trier, Saarbrükken. Genf. Madrid, Lissabon und Paris.


Warum er nach Schmallenberg gekommen ist? Die zweite Vorsitzende des Schmallenberger Kunstvereins, Gabriele Schulz, habe ihn eingeladen. „Außerdem reizt es mich, neue Landschaften kennenzulernen. Auch der Ausstellungsraum gefällt mir. „Geöffnet ist die Ausstellung dienstags, mittwochs und donnerstags von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr und sonntags von 10 bis12Uhr.


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